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Dienstag, 16. Juni 2015

Literatur

Heute ist Bloomsday und heute ist Harry Rowohlt gestorben (Nachruf von Alexander Solloch, Deutschlandfunk).

Zeitdokument: Gregor Gysi befragt Harry Rowohlt (Interview vom 10.1.2013).

Die Lübecker Anschleimphase (Ein Ausschnitt aus der CD: "Harry Rowohlt und Christian Mainz: Lieber Gott - Du bist der Boß - Amen, Dein Rhinozeros".)

Montag, 13. April 2015

Günter Grass ist gestorben

Günter Grass ist heute gestorben. Ich habe keine Worte.

Samstag, 28. Februar 2015

Leonard Nimoy ist gestorben

Leonard Nimoy ist am gestrigen Freitag im Alter von 83 Jahren verstorben.

(Bild: CC-BY-SA 3.0, Autor: Gage Skidmore)

Sonntag, 10. Februar 2013

Seien Sie Mapst!

Ein Radiofeature über Kaiser Norton I hat mich an die Bücher von Robert A. Wilson erinnert. Diese Karte aus Illuminatus! 3 wird sich als nützlich erweisen…
Everybody understands Mickey Mouse. Few understand Hermann Hesse. Hardly anybody understands Einstein. And nobody understands Emperor Norton.
-- Malaclypse the Younger, K. S. C.

Donnerstag, 30. November 2006

Hundert beste erste Zeilen

Hier findet sich eine Liste der (laut American Book Review) einhundert besten ersten Zeilen von Erzählungen.

American Book Review

(Gefunden auf www.whatspop.com.)

Sonntag, 8. Oktober 2006

Das Märschen von Mach und Helmholtz

Eben noch als Kommentar im Elektroooblog, jetzt schon hier bei uns am Schneesee: Das Märschen von Mach und Helmholtz, den großen Physikern I+II, und wie sie zu ihren Namen kamen.

Dies aber ist die Geschichte vom Mache-Ernst und vom Helmholtz-Hermann.

Es war eine Zeit, da lebten zwei Knaben, die waren die besten Freunde im Dorfe, und zwei ausgedachte Rabauken noch dazu. Kein Schülerstreich ward ausgeheckt, kein Gottestdienst ward gestöret, als daß nicht dabei die Namen unsrer zwei Spitzbuben in die Rede kamen. Die hießen aber der Hermann Holzkopf, und der Ernst, und der war so arm, daß er nicht einmal einen Namen hatte.

Nun kam aber die Zeit, da wurden die zwei Freunde sich recht feind, so daß keiner dem andern grad die Suppe im Teller hat leiden wollen. "Ein recht dummer August bist du", sprach da der Ernst zu dem Hermann, "heißest ja schon Holzkopf!" "Und du, du machest ja niemals einen rechten Scherz mit", sprach der Hermann, "Du habest ja nicht einmal einen Namen!" So und noch viel ärger hörte man die zwei sich streiten. Da aber im tiefen Innern die beiden sich doch wahrlich und eigentlich herzensgut waren, so zwackte es sie doch so arg in ihren Seelen, daß sie gar griesgrämlich und unfroh im Leben wurden.

"Dir werd ich’s zeigen, ob ich ein Holzkopf bin!", sprach da der Holzkopf-Hermann, "Die Physik will ich studieren, und die Energieerhaltung will ich entdecken!", und seinen Namen, den änderte er in "von Helmholtz", auf daß nicht er und nicht seine Kinder je wieder Holzkopf geheißen würden, und auf das "von" und das zusätzliche "t" im Namen, da war er so recht stolz. Der Ernst aber, wie er das sah, da sagte der ganz schnelle: "Du Hermann, da mach ich mit! Ich studier auch die Physik, und schneller als ein Knall will ich fliegen!". Und da ward aller Unbill wie weggefeget, und der Hermann studierte die Physik und fand die Energieerhaltung, und der Erst, der machte so richtig mit, und flog schneller als der Knall. Und da sagte der Ernst: "Hermann, eine Freude ist das, daß Du nicht mehr 'Holzkopf' heißest, sondern 'von Helmholtz'", (und ganz heimlich war auch er ein bisserl stolz auf das 'von' und das zusätzliche 't' im Namen), und der Hermann, der sagte: "Ach mein lieber Ernst, und ich bin doch so recht froh, daß Du nun auch einmal gar richtig mitmachst!"

Und von dem Tage an, da waren die zwei nur mehr der Helmholtz-Hermann und der Mache-Ernst genannt, und sie blieben ihr Lebtag die zwei besten Freunde, die man sich nur vorstellen kann.

Rüdiger

Freitag, 6. Oktober 2006

Der Lesende

Und wenn ich jetzt vom Buch die Augen hebe,
wird nichts befremdlich sein und alles groß.
Dort draußen ist, was ich hier drinnen lebe,
und hier und dort ist alles grenzenlos.

Wie schön. Meine Kollegin Inna hat mich (und das tut sie öfter) heute Mittag in der Kantine überrascht, indem sie auswendig die russische Übersetzung eines Gedichtes von Rilke rezitierte. Wie sie sagt war sie nachträglich von der deutschen Originalfassung enttäuscht, da sie offenbar nicht die gleiche sprachliche Schönheit besitzt. Obgleich ich das mangels sprachlicher Fähigkeiten nicht nachempfinden kann, so kann ich es mir bei einer wirklich guten Übersetzung jedoch vorstellen.

Der Lesende

Ich las schon lang. Seit dieser Nachmittag,
mit Regen rauschend, an den Fenstern lag.
Vom Winde draußen hörte ich nichts mehr:
mein Buch war schwer.
Ich sah ihm in die Blätter wie in Mienen,
die dunkel werden von Nachdenklichkeit,
und um mein Lesen staute sich die Zeit. —
Auf einmal sind die Seiten überschienen,
und statt der bangen Wortverworrenheit
steht: Abend, Abend… überall auf ihnen.
Ich schau noch nicht hinaus, und doch zerreißen
die langen Zeilen, und die Worte rollen
von ihren Fäden fort, wohin sie wollen…
Da weiß ich es: über den übervollen
glänzenden Gärten sind die Himmel weit;
die Sonne hat noch einmal kommen sollen. —
Und jetzt wird Sommernacht, soweit man sieht:
zu wenig Gruppen stellt sich das Verstreute,
dunkel, auf langen Wegen, gehn die Leute,
und seltsam weit, als ob es mehr bedeute,
hört man das Wenige, das noch geschieht.

Und wenn ich jetzt vom Buch die Augen hebe,
wird nichts befremdlich sein und alles groß.
Dort draußen ist, was ich hier drinnen lebe,
und hier und dort ist alles grenzenlos;
nur daß ich mich noch mehr damit verwebe,
wenn meine Blicke an die Dinge passen
und an die ernste Einfachheit der Massen, —
da wächst die Erde über sich hinaus.
Den ganzen Himmel scheint sie zu umfassen:
der erste Stern ist wie das letzte Haus.

Rainer Maria Rilke, aus: Das Buch der Bilder

Donnerstag, 24. August 2006

Das Parfüm

Meine Kinohelden, Tom Tykwer und Frank Griebe, haben einen neuen Film gedreht: Das Parfüm. In der Zeit steht ein Verriß. Ich kann das nicht glauben.

dasparfum.film.de
tomtykwer.de
Frank Griebe
Tom Tykwer über Frank Griebe
Marburger Kamerapreis 2002 für Frank Griebe
Der Philotast
Frank Griebe über Tom Tykwer und die Marburger Kameragespräche
Filmographie Frank Griebe
Filmographie Tom Tykwer

Freitag, 30. Juni 2006

Robert Gernhardt ist tot

Ein weiterer Eintrag in dieser traurigen Reihe.

"Der Schriftsteller und Karikaturist Robert Gernhardt ist tot. Gernhardt starb am Freitag in Frankfurt nach Angaben des S. Fischer Verlags im Alter von 68 Jahren an einer schweren Krankheit. Gernhardt, Autor zahlreicher Bücher, wurde für sein Werk vielfach ausgezeichnet. Mit seinen humorigen, aber auch oft sehr ernsten Gedichten galt er als einer der wichtigsten Lyriker der deutschen Nachkriegszeit."
(FAZ)

FAZ (1, 2), Sueddeutsche, Tagesschau, Heute, Spiegel (1, 2), Titanic, Wikipedia, ZEIT, Tagesspiegel, NZZ, ORF (mit O-Ton), Frankfurter Rundschau (1, 2, 3, 4), jetzt.de, Neues Deutschland, Welt, Neue Epoche, Netzeitung, Deutschlandradio, Hamburger Morgenpost.
Kondolenzschreiben des Bundespräsidenten.

Mich haben die Texte von Robert Gernhardt seit meiner Schulzeit durchs Leben begleitet. Sein Tod macht mich traurig. Ich zitiere einen Eintrag aus dem Kondolenzbuch der Titanic:

Habe Deine Werke sehr gemocht. Hoffe auf baldige Wiedergeburt!

Mittwoch, 31. Mai 2006

Schöpfer schöner Dinge

Ein Künstler ist Schöpfer schöner Dinge.

Die Kunst zu offenbaren und den Künstler zu verbergen ist die Aufgabe der Kunst.

Ein Kritiker ist, wer seinen EIndruck von schönen Dingen in eine neue Form oder in neuen Stoff übertragen kann.

Die höchste wie die niederste Form der Kritik ist ein Art von Selbstbiographie.

Wer einen häßlichen Sinn findet in schönen Dingen, ist verderbt, ohne anmutig zu sein. Das ist ein Fehler.

Wer einen schönen Sinn findet in schönen Dingen, hat Kultur. Er erweckt Hoffnungen.

Das sind die Auserwählten, denen schöne Dinge lediglich Schönheit bedeuten.

Etwas wie ein moralisches oder unmoralisches Buch gibt es nicht. Bücher sind gut geschrieben oder schlecht geschrieben. Nichts weiter!

Die Abneigung des neunzehnten Jahrhunderts gegen den Realismus ist die Wut Calibans, der sein eigenes Gesicht im Spiegel sieht.

Die Abneigung des neunzehnten Jahrhunderts gegen die Romantik ist die Wut Calibans, der sein eigenes Gesicht nicht im Spiegel sieht.

Das sittliche Leben des Menschen liefert dem Künstler einen Teil des Stoffgebietes, aber die Sittlichkeit der Kunst besteht im vollkommenen Gebrauch eines unvollkommenen Mittels.

Kein Künstler wünscht, etwas zu beweisen. Selbst Wahrheiten können bewiesen werden.

Kein Künstler hat ethische Neigungen. Eine ethische Neigung bei einem Künstler bedeutet eine unverzeihliche Manieriertheit des Stils.

Kein Künstler ist jemals dekadent. Der Künstler kann alles ausdrücken.

Gedanke und Sprache sind für den Künstler Werkzeuge einer Kunst.

Laster und Tugend sind für den Künstler Material einer Kunst.

Vom Standpunkt der Form ist die Urform aller Künste die Kunst des Musikers. Vom Standpunkt des Gefühls ist der Beruf des Schauspielers diese Urform.

Alle Kunst ist gleichzeitig Oberfläche und Symbol. Wer unter die Oberfläche geht, tut es auf eigene Gefahr. Wer das Symbol erklärt, tut es auf eigene Gefahr.

In Wahrheit wird der Betrachter und nicht das Leben durch die Kunst widergespiegelt.

Meinungsunterschiede über ein Kunstwerk beweisen, daß es neu, vielfältig und bedeutungsvoll ist.

Sind die Kritiker uneinig, so ist der Künstler einig mit sich selbst.

Wir können einem Menschen verzeihen, daß er etwas Nützliches geschaffen hat, solange er es nicht bewundert. Die einzige Entschuldigung für den, der etwas Nutzloses geschaffen hat, besteht darin, daß es höchlich bewundert wird.

Alle Kunst ist völlig nutzlos.

Oscar Wilde
Worte zu Dorian Gray

(Original)
(Wikipedia)

Freitag, 14. April 2006

Samuel Beckett zum 100. Geburtstag

Jedes Wort ist wie ein unnötiger Fleck auf dem Schweigen.

Samuel Beckett

Dienstag, 6. Dezember 2005

Hanns Dieter Hüsch ist tot

Hanns Dieter Hüsch starb in der Nacht zum heutigen Dienstag im Alter von 80 Jahren.

Link / Tagesschau.de / Faz.net / Sueddeutsche.de / Spiegel.de

Sonntag, 27. November 2005

Robert Gernhardt: Siebenmal mein Körper

Mein Körper ist ein schutzlos Ding,
wie gut, daß er mich hat.
Ich hülle ihn in Tuch und Garn
und mach ihn täglich satt.

Mein Körper hat es gut bei mir,
ich geb' ihm Brot und Wein.
Er kriegt von beidem nie genug,
und nachher muß er spein.

Mein Körper hält sich nicht an mich,
er tut, was er nicht darf.
Ich wärme mich an Bild, Wort, Klang,
ihn machen Körper scharf.

Mein Körper macht nur, was er will,
macht Schmutz, Schweiß, Haar und Horn.
Ich wasche und beschneide ihn
von hinten und von vorn.

Mein Körper ist voll Unvernunft,
ist gierig, faul und geil.
Tagtäglich geht er mehr kaputt,
ich mach ihn wieder heil.

Mein Körper kennt nicht Maß noch Dank,
er tut mir manchmal weh.
Ich bring ihn trotzdem übern Berg
und fahr ihn an die See.

Mein Körper ist so unsozial.
Ich rede, er bleibt stumm.
Ich leb ein Leben lang für ihn.
Er bringt mich langsam um.

aus: Körper in Cafés. Gedichte. Zürich: Haffmans, 1987.